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Fakten zum Rettungsdienst

Fakten zum Rettungsdienst // Fact sheet Rettungsdienst:
• Rettungsdienst (RD) umfasst den qualifizierten Krankentransport und die Notfallrettung. Nicht dazu gehört der „unqualifizierte Krankentransport“ (Taxi und Mietliegewagen). Abzugrenzen davon ist ferner der Bereitschaftsdienst der KV, der ebenso einen Teil der präklinischen Notfallversorgung abbildet.

• Rettungsdienst ist ein kleiner, aber schnell wachsender Markt (15 Mio. RD-Einsätze pro Jahr, 50.000 Mitarbeiter), Marktvolumen geschätzt 4 Mrd. Euro, davon entfällt etwa 70% auf die Notfallrettung. Die Kosten des Rettungsdienstes werden von den Krankenkassen und Privatkassen getragen.

• Rettungsdienst ist Aufgabe der Länder und in den jeweiligen Landes-Rettungsdienstgesetzen geregelt. – Länder haben typischerweise die Kreise und kreisfreien Städte als Träger des Rettungsdienstes benannt. In D gibt es etwa rund 300 Träger des Rettungsdienstes. Dies führt zu einer sehr großen Unterschienden in Strukturen und Abläufen im Rettungsdienst.

• Kreise/Kommunen können nun entweder selbst den RD durchführen (Feuerwehren oder kommunale Eigenbetriebe) oder es an Dritte übertragen (Hilfsorganisation oder Private)

• Seit Jahrzehnten sind die Marktanteile verteilt und es besteht eine Oligopolstruktur beherrscht von den sog. Hilfsorganisationen (80% Marktanteile Hilfsorganisationen (HiOrgs) etwa 15% Kommunen und 5% Private). Bei den Hilfsorganisationen dominiert das DRK mit einem geschätzten Marktanteil von 56%, Johanniter 10%, ASB und MHD jeweils rund 7%.

• In vielen Regionen Deutschlands existieren seit Jahrzehnten sich ergänzende Strukturen von Berufsfeuerwehren, Hilfsorganisationen und Unternehmen. Diese Anbietervielfalt hat sich bewährt und das deutsche Rettungsdienstsystem qualitativ und nachhaltig gestärkt.

• Einen wichtigen Anteil an der Durchführung des Rettungsdienstes haben über einhundert privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen im Rettungsdienst mit insgesamt rund 6.000 Mitarbeitern.
Herausforderungen Rettungsdienst
• Hohe Kostensteigerungen: Die Ausgaben der Kassen sind von 2000-2014 um 82% gestiegen. Die allgemeinen Leistungsausgaben der GKV im gleichen Zeitraum nur um 54%. Parallel dazu steigen auch überproportional die Ausgaben für die Notfallversorgung in den Krankenhäusern. Das macht deutlich, dass die präklinische und klinische Notfallversorgung in Deutschland reformiert werden muss. Erste Ansätze sind im Krankenhausstrukturgesetz angelegt.

• Versorgung im ländlichen /strukturschwachen Raum: Aufgrund der rückläufigen Bevölkerungszahlen und des zunehmenden Fachkräftemangels in diesen Regionen sind die bestehenden Strukturen nicht mehr zu erhalten und müssen neu aufgestellt werden. Ein entscheidender Ansatz hierbei ist, dass die Schnittstellen KV-Dienst, Rettungsdienst, KH- Notaufnahme besser miteinander verzahnt werden sollten. Die entscheidende Steuerungsfunktion sollte durch eine starke, unabhängige Rettungsdienstleitstelle erfolgen (Beispiele DK und Österreich).

• Qualität/Transparenz: Es mangelt an Zahlen zur Leistungsfähigkeit des Rettungsdienstes. Die einzige Hilfsgröße, die zum Teil vorhanden ist, ist die sog. „Hilfsfrist“ – die Zeit von Notruf bis Eintreffen eines Rettungsmittels. Diese wird aber auch je nach Bundesland anders definiert. Hier bedarf es – ähnlich wie im Krankenhaus –einer strukturierten und einheitlichen Qualitätsmessung. Die Bundesländer BW und Bayern sind hier bereits auf gutem Wege – hier sind landesweite Initiativen bereits gestartet und man darf auf die Ergebnisse gespannt sein.

• Einschränkungen des Wettbewerbs unter den Leistungserbringern: Nach bisheriger höchstrichterlicher Rechtsprechung stellt der Rettungsdienst eine gewerbliche Tätigkeit dar und Auftragsvergaben sind nach einen transparenten EU-weiten Vergabeverfahren durchzuführen. Dies hat der Gesetzgeber mit der nun in Kraft getretenen EU-Bereichsausnahme Rettungsdienst relativiert. Hier droht durch mehr Wettbewerb initiierte Innovationsschub wieder zu erlahmen, und bestehende Strukturen werden zementiert.

• Fachkräftemangel im Rettungsdienst: Wie andere Gesundheitsberufe auch leidet der Rettungsdienst unter einem Fachkräftemangel. Viele Mitarbeiter in mittlerem bis höherem Alter wechseln zudem die Branche und arbeiten in anderen Teilen der Gesundheitswirtschaft. Verschärft wird der Fachkräftemangel durch die derzeit sehr halbherzige Umsetzung des neuen Berufsbildes des Notfallsanitäters. Hier sind klare Signale seitens der Kostenträger aber auch der Kommunen und Länder erforderlich.

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