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Pflege 4.0: Patientenorientierte Versorgung durch digitale Prozesse

Positionspapier: Pflege 4.0: Patientenorientierte Versorgung durch digitale Prozesse

1. Einleitung

Die Bedeutung von technologischen Innovationen und strukturierten Prozessen für den Erfolg von Unternehmen ist heute in der Industrie unstrittig. Die Gesundheitswirtschaft übernimmt zunehmend diese Erkenntnisse und sieht in der Digitalisierung die Chance, den zukünftigen Herausforderungen erfolgreich begegnen zu können. Die beruflich Pflegenden, als größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen, sind heute zugleich die noch am geringsten digitalisierte Berufsgruppe. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, das traditionelle Bild der Pflegeorganisation mit den pflegerischen Prozessen und Technologien zu modernisieren und eine innovative und zukunftsweisende Rolle im Gesundheitssystem zu übernehmen. Ziele sind eine konsequente Patientenorientierung und -sicherheit, eine Steigerung der Versorgungsqualität und eine daraus resultierende Wertschöpfung für die Unternehmen. Voraussetzung hierfür sind umfassende digitale Kompetenzen der Akteure.

Dabei stehen folgende Leitfragen im Vordergrund:

• Welches Wissen wird konkret benötigt (z.B. Kenntnis über neue Technologien)?
• Welche neuen Fähigkeiten werden notwendig (z.B. Interaktion Mensch-Maschine)?
• Welche Haltungen und Einstellungen sollten reflektiert werden (z.B. Veränderungsoffenheit)?
• Wie können wir die jeweiligen Kompetenzen in den einzelnen Bildungskontexten methodisch-didaktisch entwickeln?

2. Positionen zu Pflege 4.0
  • Die Digitalisierung in der Pflegeorganisation muss konsequent auf die Erwartungen und Bedürfnisse der Patienten ausgerichtet sein, entlastet die Pflegenden und stabilisiert die Behandlungsabläufe für alle Beteiligten.
  • Die Digitalisierung verändert alle Lebens- und Arbeitsbereiche und macht auch vor der Pflege nicht halt. Sie ist eine Chance, den Herausforderungen der professionellen Pflege effizient zu unterstützen. Die drei wesentlichen Faktoren für eine akzeptierte und nachhaltige Digitalisierung in der Pflege sind strukturierte, schlanke Pflege- und Behandlungsprozesse, der konsequente Einsatz innovativer Technologien und der Erwerb entsprechender Kompetenzen.
  • Pflege 4.0 ist eine intuitiv bedienbare, auf strukturierten Prozessen beruhen-de, digitalisierte Workflowunterstützung. Sie ist konsequent auf die Erwartungen und Bedürfnisse der Patienten ausgerichtet und sichert eine evidenzbasierte, serviceorientierte und individualisierte Behandlung.
  • Pflege 4.0 ist nicht additiv, sondern entlastet Pflegende von pflegefernen Aufgaben, wie Dokumentations- und Logistiktätigkeiten und ermöglicht die Konzentration auf die Arbeit mit den Patienten.
  • Pflege 4.0 stabilisiert die Behandlungsabläufe für alle Berufsgruppen und schützt Pflegende vor den Folgen des bisher üblichen „Improvisationstheaters“.
  • Für die Pflege 4.0 geeignete Technologien sind bereits auf dem Markt erhält-lich. Sie müssen als Teil der Unternehmensstrategie geplant und mit Investitionsmitteln gefördert werden.
  • Pflegerische Technologien schaffen Transparenz und müssen dabei als Werkzeuge selbst weitgehend „unsichtbar“ bleiben. Sie unterstützen eine personalisierte Pflege und beziehen den Patienten, sowie die Angehörigen, mit ein.
  • Die pflegerische Aus- und Weiterbildung muss sich am Bedarf des zukünftigen Arbeitsumfeldes reformieren und u.a. Prozess- und IT-Kompetenzen vermitteln, die auch pflegewissenschaftlich fundiert sein müssen. Dafür müssen die Ausbildungsinhalte neu definiert und neue, innovative Formen der Wissensvermittlung genutzt werden.
  • Eine hohe Kompetenz zieht auch eine höhere Anerkennung und Wertschätzung nach sich. Daraus resultieren die Verbesserung der Selbstdarstellung sowie die Erhöhung der Wahrnehmung und Attraktivität des Pflegeberufes.
  • Das Management auf allen Ebenen ist Vorbild und in der Verantwortung für das Fordern und Fördern der benötigten Kompetenzen der Mitarbeiter. Aber auch jeder Mitarbeiter selbst trägt die hohe Eigenverantwortung, eigene Kompetenzlücken zu identifizieren und zu schließen.
  • Pflege 4.0 muss von engagierten und innovativen Pflegekräften initiiert, gestaltet und weiterentwickelt werden. Dies kann neue Berufsbilder, wie „Digitales Pflegemanagement“ oder „Pflegeinformatik“, entstehen lassen.
3. Ausblick

Das Positionspapier soll Ausgangspunkt für eine intensive unternehmerische, aber auch berufspolitische Debatte sein. Das Leit-Thema Digitalisierung muss viel stärker als bisher strategisch aufgegriffen und genutzt werden. Der häufig defizit-orientierten Betrachtung von „Pflege“ wird Innovation, Entwicklung und Kompetenz entgegengestellt. Für das Pflegemanagement erschließen sich über Pflege 4.0 neue und herausragende Handlungsfelder. Besonders die Themen Prozesssteuerung und Patientenorientierung können in den Unternehmen mit völlig neuen Akzenten federführend besetzt werden.

Das vorliegende Positionspapier basiert auf einem gemeinsamen Experten-Workshop der Initiative Gesundheitswirtschaft in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und der NursIT Institute GmbH im März 2017 in Hamburg.

Berlin im Juni 2017

INITIATIVE GESUNDHEITSWIRTSCHAFT e.V.

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4 Gedanken zu „Pflege 4.0: Patientenorientierte Versorgung durch digitale Prozesse

    1. Guten Abend,
      was benötigen Sie denn konkret für Angaben und was meinen Sie mit Vollversion? Das PDF können Sie sich ja runterladen.

      Beste Grüße
      Silke Schippmann

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